Zwischen Überfluss und Armut

Die „Sozialen Dienste Oberbayern“ der Diakonie Rosenheim betreiben schon seit mehr als 20 Jahren Tafelläden in der Region. Angefangen im Jahr 2000 mit der Tafel Rosenheim, gibt es aktuell inzwischen verteilt auf die Standorte Rosenheim, Ebersberg, Wasserburg, Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham und Kolbermoor insgesamt sieben Ausgabestellen, die jeweils einmal pro Woche für Kundinnen und Kunden geöffnet haben. Die Tafeln Rosenheim und Bruckmühl verfügen über je zwei Ausgabestellen, denn der Tafelladen am Standort Feldkirchen-Westerham gehört formal zur Tafel Bruckmühl. An allen Standorten werden so insgesamt jede Woche im Durchschnitt rund 1.300 Menschen mit genießbaren Lebensmitteln versorgt.

Orte der sozialen Begegnung

Als wöchentlicher Treffpunkt sind die Tafeln damit für die Besucher/-innen auch Orte der sozialen Begegnung. Sie bieten Geselligkeit, Halt und Orientierung. Einige Tafeln boten vor Ausbruch der Pandemie sogar ein Rahmenprogramm aus Feiern und kulturellen oder kreativen Angeboten an.
So gab es an der Tafel Ebersberg beispielsweise je nach Anlass und Jahreszeit Weihnachts-, Nikolaus- oder Faschingsfeiern. Im Sommer wurde gemeinsam gegrillt und im Herbst fand ein Oktoberfest statt. Gelegentlich wurden auch Ausflüge, zum Beispiel zum „Zirkus Krone“, in den „Wildpark Poing“ oder zum Schloss Amerang, angeboten. Im Advent wurden gemeinsam Adventskränze geflochten. Auch gab es manchmal die Gelegenheit, im Keramik-Cafe „EigenArt“ in Ebersberg Keramik zu bemalen. Zudem bekamen Kundinnen und Kunden der Tafel Ebersberg bei der Lebensmittelausgabe mitunter auch Freikarten für Kulturveranstaltungen im Raum Ebersberg, die von Kulturveranstaltern in Ebersberg, u. a. dem „Alten Kino“ oder dem „Alten Speicher„, gesponsert wurden. „Am wichtigsten war für die Menschen meines Erachtens unsere wöchentliche Tafelbrotzeit nach der Lebensmittelausgabe, die ihnen einen Austausch und vor allem auch sozialpädagogischen Rat ermöglichte“, ist sich Liane Spiegelberg, Leiterin der Tafel Ebersberg, sicher.
Wie wichtig für die Menschen neben der Möglichkeit, günstig Lebensmittel zu erhalten, die soziale Komponente insgesamt ist, zeige sich auch schon allein daran, dass sich viele Tafelkundinnen und -kunden bereits eine Stunde vor Öffnung des Tafelladens anstellten. „Für die meisten ist das das einzige soziale Ereignis der Woche“, weiß Spiegelberg aus Erfahrung.

Verwerten, statt wegwerfen

Aber die Tafeln sind vor allem auch Brücken zwischen Armut und Überfluss: Einerseits gibt es auch mitten in Deutschland Menschen, die in Armut leben, und andererseits gibt es massenhaft einwandfreie Lebensmittel, die dennoch nicht mehr im regulären Einzelhandel verkauft werden können, weil ihr Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum beispielsweise bald ablaufen. Aber auch Obst und Gemüse, das nicht ‚formschön‘ genug ist, ist im Einzelhandel oft unverkäuflich und endet dort als Ladenhüter, weil Verbraucher/-innen eine andere Vorstellung vom Erscheinungsbild des Produkts haben. Bevor diese Lebensmittel im Müll landen, werden sie von Lebensmittelgeschäften oder landwirtschaftlichen Erzeugern oft an Tafeln gespendet und finden dort Verwendung. Dadurch leisten die Tafeln einen wichtigen Beitrag zur ‚Rettung‘ und Verwertung von Lebensmitteln – und gleichzeitig einen Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Denn: Genießbare Lebensmittel zu verwerten ist nachhaltiger und ökologischer, als sie in den Müll zu werfen. So werden gleichzeitig auch die zur Lebensmittelproduktion benötigten und nur begrenzt vorhandenen Ressourcen wie Wasser so nachhaltig wie möglich eingesetzt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass dennoch jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll landen – rund zwölf Millionen Tonnen davon allein in Deutschland (Quelle: Studie des „Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft“ vom September 2019)! Bezogen auf die Privathaushalte geht die „Deutsche Welthungerhilfe e. V.“ von einer Verschwendung von 75 Kilogramm Lebensmitteln pro Kopf und Jahr aus.

Die Tafeln helfen mit ihrer Arbeit gleichzeitig bedürftigen Mitmenschen, die von Arbeitslosengeld, Grundsicherung, Wohngeld, einer Erwerbsminderungsrente, einem geringen Einkommen oder einer geringen Altersrente leben. So bekommen unsere Mitbürger/-innen Lebensmittel, ohne dafür ihr spärliches Einkommen ausgeben zu müssen. Damit die Lebensmittel auch wirklich bei den Menschen ankommen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind, nehmen die Tafelmitarbeitenden zu Beginn eine Einkommensprüfung vor und stellen einen Tafelausweis aus, der zum ‚Einkauf‘ bei der Tafel berechtigt. Gerade während der Pandemie sind momentan deutlich mehr Personen auf Tafeln angewiesen, weil sie ihre Arbeit verloren oder – bedingt durch Einlassbeschränkungen und Abstandsregeln – weniger Einnahmen haben. Auch die Anzahl der Kurzarbeiter/-innen hat deutlich zugenommen.

Von Lebensmitteln über Zeit und Arbeitseinsatz bis zum Arbeitsmaterial – ohne Unterstützung geht nichts

Aber nicht nur Lebensmittel werden benötigt – Tafeln brauchen auch Kühl- und Gefrierschränke oder eine Kühltheke für rasch verderbliche Waren sowie Regale und Tische, um die Lebensmittel zu präsentieren. Um die Waren von den Spenderinnen und Spendern abholen zu können, ohne die Kühlkette zu unterbrechen, werden zudem Kühlfahrzeuge benötigt, denn nicht jede/-r Spender/-in bringt die Waren persönlich bei der Tafel vorbei. Bei Bedarf werden mit den Fahrzeugen auch Kundinnen und Kuden beliefert, die krank oder nicht gut zu Fuß sind.

Die Logistik, die hinter jeder Tafel steckt, leisten rund 220 Ehrenamtliche in ihrer Freizeit in den von der Diakonie Rosenheim betriebenen Tafelläden: Sie holen die Waren ab, sortieren sie und untersuchen beispielsweise Obst und Gemüse auf eventuelle Druckstellen. Außerdem wird bei jedem Produkt das Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum kontrolliert. Zum Schluss wird die Ware zur Auslage für die Besucher/-innen vorbereitet.

Allerdings können nur zuvor gespendete Waren von den Tafeln abgenommen, angeboten und verteilt werden. Wir sind daher jedem Lebensmittelgeschäft, allen Privatpersonen und landwirtschaftlichen Betrieben in der Region, die unseren Mitmenschen helfen, sehr dankbar!
Da jede Tafel jedoch auf Lebensmittelspenden angewiesen ist, sind natürlich das Sortiment und die Auswahl begrenzt. „Ausgegeben werden kann immer nur das, was zuvor gespendet wurde. Eine vorgefertigte Einkaufsliste kann nicht zwingend vollständig ‚abgearbeitet‘ werden“, gibt Dagmar Badura, Bereichsleitung bei den „Sozialen Diensten Oberbayern“ und Koordinatorin der von ihnen betriebenen Tafelläden, zu bedenken. „Tafeln sind eben keine normalen Läden, in denen jeder frei nach seinen Wunschvorstellungen einkaufen kann.“

Kleine Freuden für Groß und Klein

Die Bereitschaft in der Bevölkerung zur Unterstützung der Tafeln durch Privatpersonen, die ihre Einkäufe vorbeibringen, oder ortsansässige Firmen ist generell groß. So sponsert die „Flüchtlingshilfe Erding e. V.“ regelmäßig zum Schulanfang Erstklässlerinnen und Erstklässlern von Familien, die Lebensmittel von der Tafel Ebersberg erhalten, Schulranzen und -rucksäcke, die mit Süßem und Schulutensilien gefüllt sind. Aktuell läuft außerdem gerade wieder die Weihnachtsgeschenke-Aktion der HypoVereinsbank-Filiale in Ebersberg. „Hierfür erheben wir im Vorfeld die Weihnachtswünsche unserer ‚Tafelkinder‘, die in der Adventszeit dann als Wünsche an den ‚Wunschbaum‘ in der Bankfiliale gehängt werden. Die Bankkundinnen und -kunden können daraufhin einen Wunsch auswählen, erfüllen und als Geschenk verpackt in der Filiale wieder abgeben. Wir geben die Weihnachtsgeschenke dann vor den Feiertagen an die Familien aus“, erklärt Liane Spiegelberg den Ablauf der vorweihnachtlichen Aktion. „In diesem Jahr durften wir erstmals auch Wünsche von Seniorinnen und Senioren für den ‚Wunschbaum‘ abgeben. Solche Aktionen sind für die Familien, die zu uns kommen, eine große Hilfe und finanzielle Entlastung“, sagt die Tafelleiterin dankbar.

 

     

 

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KomMa
Autor: KomMa

Kommunikation und Marketing der Diakonie Rosenheim

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