Unser Team besteht aus erfahrenen Fachkräften (Sozialpädagogen und -pädagoginnen, Sozialarbeiter/-innen oder vergleichbare Qualifikation). Alle Gruppenangebote werden grundsätzlich von zwei Mitarbeitenden durchgeführt.
Die Mitarbeitenden verfügen über Zusatzqualifikationen in den Bereichen Täter-Opfer-Ausgleich, Mediation und Konfliktmanagement, Anti-Gewalt-Training sowie Systemischer Beratung.
Das Einzugsgebiet der bestehenden Fachstelle in Rosenheim umfasst den gesamten südostbayerischen Raum (Stadt und Landkreis Rosenheim, Landkreis Mühldorf, Landkreis Altötting, Landkreis Traunstein, Landkreis Berchtesgadener Land, Landkreis Miesbach).
Zu unserem Standort in Rosenheim ist ein neuer Standort in Weilheim hinzugekommen, welcher folgendes Einzugsgebiet umfasst: Bad Tölz – Wolfratshausen, Garmisch – Partenkirchen, Weilheim – Schongau, Landsberg a. Lech, Ebersberg, Starnberg und Fürstenfeldbruck.
Bereichsleitung
Simon Tica
Tel.: +49 8031 3009 1054
E-Mail: simon.tica@sd-obb.de
Von häuslicher Gewalt wird gesprochen, wenn innerhalb familiärer, ehelicher oder lebenspartnerschaftlicher Strukturen physische, psychische oder sexuelle Gewalt ausgeübt wird. Zu häuslicher Gewalt können somit massive körperliche Verletzungen und sexuelle Übergriffe wie auch strukturelle oder ökonomische Formen psychischer Gewalt zählen. Unser Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Partnerschaftsgewalt. Die Dimension häuslicher Gewalt ist nicht auf das „Täter- Opfer-Verhältnis“ beschränkt, sondern betrifft auch das direkte familiäre Umfeld, insbesondere Kinder, die in der Familie leben.
Häusliche Gewalt rückt immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Die kriminalistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des BKA verzeichnet einen kontinuierlichen Anstieg.
Unser Angebot richtet sich an …
- erwachsene männliche Täter, die gegenüber ihrem/ihrer (Ex-)Partner/-in gewalttätig geworden sind.
- erwachsene weibliche Täterinnen, die gegenüber ihrem/ihrer (Ex-)Partner/-in gewalttätig geworden sind.
- Täter- und Täterinnen, die wegen Nachstellung (Stalking) aufgefallen und / oder verurteilt sind.
Täter*innenarbeit ist Opferschutz! Hauptziel der Beratung ist die möglichst schnelle Beendigung der Gewalthandlungen, um weitere Schäden für die (Ex)Partner/-innen und/oder für das Kinde bzw. die Kinder abzuwenden. Dabei soll sich die bisher nach außen gelebte Aggressivität nicht nach innen verlagern, sondern prosozial gelebt werden.
Weitere dahingehende Ziele in der Täter*innenarbeit sind unter anderem:
- die Auseinandersetzung mit eigenem Gewalt-Handeln
- die Verantwortungsübernahme für eigene Gewaltanwendung
- das Erlernen gewaltfreier Handlungskompetenz bei eskalierenden Konflikten
- die Entwicklung von Empathie für das/die Opfer
- die Erarbeitung individueller Rückfallvermeidungsstrategien.
Die Fachstelle bietet Gruppen- und Einzelberatungsprogramme an. Wir arbeiten nach den Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft für Täterarbeit e. V. und sind von dieser zertifiziert.
Standorte
Einzel- und Gruppenangebote finden in Rosenheim und Mühldorf statt. Auch innerhalb der JVA Bernau werden regelmäßige Beratungsprogramme hinsichtlich häuslicher Gewalt durchgeführt.
Gruppenprogramm
Die Fachstelle bietet Gruppentrainings oder Einzelberatungsprogramme an. Beide Arbeitsformen beinhalten klassische Elemente eines Anti-Gewalt-Trainings. Hierbei handelt es sich um eine konfrontierende und ressourcenfördernde Arbeitsform, die der sekundären Gewaltprävention zuzurechnen ist.
Das Gruppenprogramm beinhaltet persönliche Vorgespräche mit ausführlicher Sozial- und Gewaltanamnese, 25 zweistündige Gruppenabende und ein persönliches Nachgespräch. Sofern keine Hinderungsgründe vorliegen, erfolgt unsere Arbeit grundsätzlich in Gruppenform.
Einzelberatungen
Eine Einzelberatung kann ersatzweise zur Teilnahme am Gruppenprogramm durch gezielte Zuweisung von Justizbehörden oder auf freiwilliger Basis erfolgen, sofern keine Teilnahme am Gruppenprogramm möglich ist. Das Einzelberatungsprogramm beinhaltet Vorgespräche zur Auftragsklärung sowie zwölf 60-minütige Einheiten.
Nachsorge
Die Teilnehmer/-innen können nach Abschluss des Programms jederzeit Kontakt mit der Einrichtung aufnehmen.
Unsere Räume befinden sich im Erd- und Untergeschoss unseres Gebäudes in der Innstraße 72, 83022 Rosenheim. Diese bestehen aus drei Büros und einem Gruppenraum.
Unsere Außenstelle in Mühldorf befindet sich im Haus der Begegnung Mühldorf, Auf der Wies 18, 84453 Mühldorf a. Inn.
In der Fachstelle sind Sozialpädagogen und -pädagoginnen/, Sozialarbeiter/-innen oder Mitarbeiter/-innen mit vergleichbarer Qualifikation mit rund 70 Wochenstunden beschäftigt.
Die Einrichtung wurde im Jahr 2002 als Männerberatungsstelle Südostbayern gegründet. Seither setzte sie sich für den Aufbau der Täter*innenarbeit in unserer Region ein. Neben der Beratungsarbeit wurden Netzwerke zu Frauenunterstützungs- und Opferschutzeinrichtungen, Polizei, Justiz und Jugendämtern geschaffen und gepflegt, schriftliche Kooperationsverträge geschlossen und Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit wurde geleistet.
Die Fachstelle ist Gründungsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit e. V.
Mittlerweile werden in Rosenheim und Mühldorf rund 150 Personen pro Jahr beraten. In einem offenen Modulsystem finden zwei Gruppen parallel statt. Zuweisungen erfolgen über die Staatsanwaltschaften, Amtsgerichte, Polizei und Jugendämter, aber auch sogenannte „Selbstmelder“ nehmen das Angebot in Anspruch.
2014 bis 2016 unterzog sich die damalige Männerberatungsstelle einem umfassenden Zertifizierungsprozess und wurde 2017 als erste (und bisher einzige Einrichtung in Bayern, Stand 2020) durch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Täterarbeit Häusliche Gewalt e. V. zertifiziert und gleichzeitig umbenannt. Die Zertifizierung wurde 2019 erneut bestätigt.
ARD-Dokumentation mit Einblick in die Täterarbeit der Diakonie Rosenheim
Wie entsteht Gewalt gegen Frauen – und wie können Männer lernen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen? Die ARD-Dokumentation „Toxische Männlichkeit – Woher kommt die Wut auf Frauen?“ geht diesen Fragen auf eindrückliche Weise nach und zeigt, wie wichtig Prävention und Täterarbeit im Gewaltschutz sind. Mehr dazu hier.
Auszeichnung für professionelle Täter*innenarbeit häusliche Gewalt
Am 17. Februar 2025 wurden die bayerischen Fachstellen für Täter*innenarbeit häusliche Gewalt im „Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales“ mit einem Zertifikat ausgezeichnet. Alle Fachstellen haben den Zertifizierungsprozess der „Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit häusliche Gewalt e. V.“ (BAG) erfolgreich durchlaufen. Dies bescheinigt, dass die Beratung und die professionellen Programme der Fachstellen den Standards der BAG entsprechen.
Die bayerische Staatsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Ulrike Scharf (Foto oben, Mitte) überreichte feierlich die Urkunden und hob die immense gesellschaftliche Bedeutung dieser wichtigen Arbeit hervor. Für unsere Fachstelle in Weilheim nahmen die Mitarbeiterin Claudia Lohmar (Foto oben, rechts) und die Bereichsleitung Simon Tica (Foto oben, links) das Zertifikat entgegen.
Bündnis gegen Sexismus
Die Fachstelle Täter*innenarbeit ist dem Bündnis gegen Sexismus beigetreten. Damit positionieren wir uns für die Gleichstellung aller Geschlechter. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.gemeinsam-gegen-sexismus.de/
Mit allen Polizeiinspektionen und Frauenunterstützungseinrichtungen in der Region Oberbayern Südost bestehen schriftliche Kooperationsvereinbarungen. Darüber hinaus arbeiten wir mit Staatsanwaltschaften und Amtsgerichten zusammen. Wir nehmen regelmäßig an den Runden Tischen gegen häusliche Gewalt im südostbayerischen Raum teil.
Die weitaus wichtigste Finanzierungsquelle unseres Angebots bilden Bußgeldzuweisungen durch die mit uns kooperierenden Staatsanwaltschaften und Amtsgerichten.
Die Fachstelle erhält darüber hinaus Zuschüsse von der Stadt Rosenheim sowie von den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf, Miesbach, Altötting und Berchtesgadener Land.
Wir danken an dieser Stelle unseren Förderern, insbesondere den Staatsanwaltschaften und Amtsgerichten, ohne die unser Angebot nicht bestehen könnte!
- Informationsflyer
- Jahresbericht 2024
- Jahresbericht 2025
- Standards in der Täterarbeit: Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit häusliche Gewalt e. V.
Kontaktstellen der Polizei
- Bayerische Polizei – Ihre Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer im Präsidium Oberbayern Nord – Frau Fuchs
- Bayerische Polizei – Ihre Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer (BPfK) beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd – Frau Wagner
Frauenunterstützungseinrichtungen
- Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim, Tel. 08031-268888
- Frauenhaus Rosenheim, Tel. 08031-381478
- Frauen helfen Frauen Burghausen, 08677-7007
- Frauen helfen Frauen Waldkraiburg, 08638-83797
- Frauen helfen Frauen Wolfratshausen, Tel. 08171/18680
- via – Anlaufstellen für Wege aus der Gewalt für Frauen und Männer, 0821–450 339 10 (Rufbereitschaft 24 Stunden)
- Frauen-Notruf und -Beratung Starnberg: Frauen helfen Frauen Starnberg e. V., 08152-5720
- Frauenhaus – Sozialdienst katholischer Frauen e. V., Murnau 08841-5711
- Frauen helfen Frauen Fürstenfeldbruck e. V., Frauenhaus Tel. 08141-3573565, Frauennotruf Tel. 08141-290 850
Landesweite Hilfetelefone für Betroffene (w/m/d)
- Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben: Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
- Hilfetelefon Gewalt an Männern
- Krisendienst Oberbayern
Hilfsangebote für überforderte Väter / Mütter / Eltern und Paare
- Nummer gegen Kummer: Elterntelefon
- Beratungsstellen Ehe-, Familien- und Lebensberatung, München und Region
Beratung für Männer
- Männerberatungsnetz
- MIM – Münchner Informationszentrum für Männer
- Bundesfach- und Koordinierungsstelle – Männergewaltschutz
- Hotlines und Hilfeportale, Hotline 0800-1239900, Mo-Do 8-13 und 15-20 Uhr, Fr 8-15 Uhr
Allgemeine Opferberatung

