Diakonie Rosenheim bringt soziale Themen ins Klassenzimmer

Wie fühlt sich Ausgrenzung an? Und was bedeutet Armut im Alltag wirklich? Mit diesen Fragen setzten sich Schülerinnen der Mädchenrealschule Rosenheim bei den diesjährigen UNESCO- Projekttagen auseinander. Die Diakonie Rosenheim brachte dabei konkrete soziale Themen aus der Praxis direkt in den Schulalltag ein.

Mitarbeitende der Tafel Rosenheim, das Streetwork Projekt der Diakonie Rosenheim sowie die Therapeutischen Angebote für Flüchtlinge (TAFF) gestalteten die Projekttage mit und brachten ihre Erfahrungen aus der täglichen sozialen Arbeit in die Schule ein. Unter dem Projektmotto „Grenzen überwinden“ sollten soziale Herausforderungen wie Armut, Wohnungslosigkeit, Flucht und Ausgrenzung nicht nur theoretisch vermittelt, sondern durch Begegnungen und praktische Erfahrungen greifbar gemacht werden.

Armut sichtbar machen: Die Tafel Rosenheim im Austausch mit Schülerinnen
Die Sprecherin der Tafel, Martina Kaul, besuchte zunächst ihre Projektgruppe in der Schule und erklärte den Schülerinnen, wie die Arbeit der Tafel funktioniert, wer die Angebote nutzt und wie die ehrenamtlichen Mitarbeitenden Menschen im Alltag unterstützen.

Am nächsten Tag wurden die Schülerinnen dann selbst aktiv: Rund 20 Mädchen sammelten Spenden in der Rosenheimer Innenstadt. Anna und Franzi aus der 5. Klasse waren mit Feuereifer dabei. „Wir haben Muffins gebacken und diese dann gegen kleine Spenden in der Innenstadt verkauft“, berichtete Anna. Anfangs sei es ungewohnt gewesen, auf fremde Menschen zuzugehen, doch mit der Zeit sei es leichter geworden. Das bestätigte auch Lehrerin Martina Eiser: „Da haben viele Mädchen ganz konkret gespürt, wie es sich anfühlt, Grenzen zu überwinden – manchen ist es leichter gefallen, für manche war es schwer. Aber alle haben mitgemacht“, freute sie sich.

In rund eineinhalb Stunden sammelten die Schülerinnen insgesamt 580 Euro an Spenden. Direkt im Anschluss gingen sie gemeinsam in einen Supermarkt und kauften davon haltbare Grundnahrungsmittel wie Öl, Mehl, Nudeln und Milch für die Tafel Rosenheim ein. Tafelsprecherin Martina Kaul, zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Jugendlichen: „Die Mädels haben einen super Job gemacht. Ihre Spenden helfen uns sehr.“

Mit den gesammelten Spenden kauften die Schülerinnen Lebensmittel für die Tafel Rosenheim ein. Die Sprecherin der Tafel, Martina Kaul (rechts), nahm die Spenden entgegen.

Aufsuchende Soziale Arbeit: Grenzen überwinden 
Beim zweiten Projekt beschäftigten sich die Schülerinnen gemeinsamen mit den Streetworkerinnen und Streetworkern mit den Lebensrealitäten wohnungs- und obdachloser Menschen. Dabei erfuhren sie, wie aufsuchende Sozialarbeit Menschen direkt dort unterstützt, wo sie sich aufhalten: auf der Straße, in Notunterkünften, an Treffpunkten oder im öffentlichen Raum.

Die Streetworker erklärten den Jugendlichen das Ziel ihrer Arbeit, nämlich niedrigschwellige Hilfe anzubieten, Vertrauen aufzubauen und Betroffene bei existenziellen Problemen wie Unterkunft, Gesundheit, Behördenkontakten oder sozialer Stabilisierung zu begleiten. Am nächsten Tag sammelten die Schülerinnen eigenständig in der Rosenheimer Innenstadt Geld- und Sachspenden für Menschen, die durch die Obdachlosenhilfe der Diakonie Rosenheim unterstützt werden. Die Spenden wurden am 18.05.2026 vom Streetworkteam abgeholt und in die Herberge Rosenheim gebracht.

„Uns war wichtig zu zeigen, dass Wohnungslosigkeit meist keine Entscheidung ist. Dahinter stehen immer persönliche Geschichten und schwierige Lebenssituationen. Gleichzeitig wollten wir über die Unterschiede zwischen Wohnungs- und Obdachlosigkeit aufklären und die Bedürfnisse betroffener Menschen sichtbar machen“, erklärt Streetworkerin Jana.

Die Schülerinnen waren mit der Spendendose in der Rosenheimer Innenstadt unterwegs

Über die Spendenaktion in der Rosenheimer Innenstadt sowie über den Besuch bei der Tafel wurde im Oberbayerischen Volksblatt (OVB) berichtet. 

Trauma und Fluchterfahrungen verstehen
Im dritten Workshop gab das Team von TAFF den Schülerinnen Einblicke in die Arbeit mit geflüchteten Menschen und beschäftigte sich gemeinsam mit ihnen mit dem Thema Trauma. Dabei ging es unter anderem darum, wie belastende Erfahrungen sich auf den Körper, die Gefühle und das Verhalten auswirken. Die Psychologinnen leitete die Schülerinnen zudem bei praktischen Übungen zur Selbstwahrnehmung an und übten mit ihnen, eigenen Grenzen wahrzunehmen.

„Ohne zuvor mit Geflüchteten in Berührung gekommen zu sein, konnten die Mädchen sich sehr gut in die Realität von geflüchteten Kindern und Jugendlichen hineinversetzen. Das war sehr berührend“, berichtet Psychologin Johanna Mur. „Auch die praktischen Übungen zur Wahrnehmung eigener Grenzen kamen bei den Schülerinnen sehr gut an“, berichtet sie. Durch die direkte Zusammenarbeit mit Angeboten der Diakonie Rosenheim erhielten die Schülerinnen Einblicke in soziale Themen, die im Schulalltag oft abstrakt bleiben.

Text: Susanne Neumann 
Bilder: Susanne Neumann/ Estibaliz Somohano Ruiz

Nach oben scrollen