Digitalisierung und KI, steigender wirtschaftlicher Druck oder neue Anforderungen an Verwaltung und Organisation: Viele Herausforderungen beschäftigen soziale Träger gleichermaßen. Gleichzeitig haben beide Diakonien in unterschiedlichen Bereichen Erfahrungen und Wissen aufgebaut, von denen der jeweils andere profitieren kann. „Wir müssen nicht für jede Fragestellung jeder alleine das Rad neu erfinden“, sagte Dr. Andreas Dexheimer, Vorstand und Sprecher der Geschäftsleitung der Diakonie Rosenheim. „Die Diakonie Traunstein ist zum Beispiel im Bereich IT sehr gut aufgestellt und da gibt es Dinge, die wir lernen können. In anderen Bereichen bringen wir viel Erfahrung mit, etwa bei Entgeltvereinbarungen in der Jugendhilfe. Davon können wiederum andere profitieren.“

Zwei regionale Träger mit breitem Aufgabenspektrum
Das Diakonische Werk Traunstein e. V. tritt gemeinsam mit seinen gemeinnützigen Gesellschaften unter der Marke Diakonie Südostbayern auf. Rund 1.400 Mitarbeitende sind in unterschiedlichen sozialen Arbeitsfeldern tätig. Seit 2025 erstreckt sich das Einzugsgebiet auch auf das Evangelisch-Lutherische Dekanat Passau. Mit der Diakonie Rosenheim gibt es damit zahlreiche fachliche und organisatorische Berührungspunkte – zugleich unterscheiden sich Strukturen, Schwerpunkte und Erfahrungen.
Ähnliche Fragen trotz unterschiedlicher Strukturen
In sieben Fachgruppen tauschten sich die Mitarbeitenden aus Projektmanagement, Fundraising, Finanzwesen, Unternehmenskommunikation, Liegenschaften und Personal sowie die Vorstände miteinander aus. „Für uns war der Austausch mit KomMa enorm lebendig und informativ“, berichtete Klaus Rieder, Leiter der Unternehmenskommunikation des Diakonischen Werks Traunstein e.V in der Abschlussrunde im Plenum. „Wir haben festgestellt, dass wir zwar unterschiedliche Strukturen haben, aber in vielen Bereichen vor sehr ähnlichen Herausforderungen stehen.“
Auch in Verwaltung und IT wurden zahlreiche Anknüpfungspunkte deutlich. „Gerade weil die finanziellen Rahmenbedingungen schwieriger werden, halte ich es für sehr sinnvoll, auch über den eigenen Träger hinaus zu kooperieren“, sagte Thomas McWilliams, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter der Verwaltung und Infrastruktur bei der Diakonie Rosenheim. Ein konkreter nächster Schritt steht bereits fest: „Für das kommende Jahr planen wir einen IT-Austausch bei uns am Standort.“

Dabei geht es nicht nur um den Austausch von Wissen. „Wir wollen Synergien suchen, voneinander lernen und, wenn möglich, auch gemeinsam besser gegenüber Dienstleistern dastehen, mit denen wir regelmäßig Vertragsverhandlungen führen“, erklärte Andreas Karau, Vorstand der Diakonie Traunstein. Denkbar sei dies beispielsweise beim Fuhrpark, im Zentraleinkauf oder beim Thema Datenschutz. Dexheimer sieht ähnliche Möglichkeiten im Personalmanagement. Beide Träger arbeiten dort teilweise mit derselben Software und kaufen dafür externe Beratungsleistungen ein. „Nicht jeder muss die gleiche Beratungsleistung separat einkaufen. Vielleicht kann man solche Leistungen auch gemeinsam einkaufen und damit eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Dienstleistern erreichen.“
Austausch soll weitergehen
Ergänzend zum fachlichen Austausch erhielten die Gäste Einblicke in die Strukturen und Arbeitsbereiche der Diakonie Rosenheim. Mitarbeitende stellten bei Führungen das Bildungshaus in Bad Aibling und die Geschäftsstelle vor.
Der fachliche Austausch soll über das Treffen hinaus fortgesetzt werden. Im kommenden Jahr ist ein IT-Fachtag geplant. Auch ein weiteres trägerübergreifendes Treffen ist vorgesehen – dann bei der Diakonie Traunstein. Perspektivisch könnte der Austausch laut Dexheimer auch auf weitere diakonische Träger in Oberbayern ausgeweitet werden. Zunächst gehe es jedoch darum, die entstandenen Kontakte weiterzuführen und konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu prüfen.
Text: Susanne Neumann
Bilder: Sarah Kufner und Susanne Neumann

