Wer seinen Beruf im Ausland gelernt hat, steht bei der Arbeitssuche in Deutschland oft vor einigen Hürden. Die Abläufe von Bewerbungsverfahren sind unbekannt, und es fehlt die Sicherheit, die eigenen Fähigkeiten auf Deutsch überzeugend darzustellen. Die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) der Diakonie Rosenheim erlebt das in ihren Beratungen immer wieder. Aus diesen Erfahrungen ist ein Bewerbungstraining entstanden. Gemeinsam mit der Volkshochschule Prien wurde es in zwei Integrationskursen umgesetzt, 35 Zugewanderte nahmen teil.
Bewerbungssituationen selbst ausprobieren
Im Training sprechen die Teilnehmenden über ihre bisherigen Berufe, stellen sich vor und lernen, ihre Stärken zu benennen. Auch scheinbar Nebensächliches gehört dazu, etwa den eigenen Namen am Telefon mit dem deutschen Buchstabieralphabet so zu buchstabieren, dass er beim Gegenüber richtig ankommt. Hinzu kommen Informationen zur Stellensuche, zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und zu Grundfragen des Arbeits- und Aufenthaltsrechts. Der Schwerpunkt liegt bewusst auf praktischen Übungen. Neben fehlendem Wissen über den deutschen Arbeitsmarkt spielt bei vielen Zugewanderten auch Unsicherheit eine Rolle. Eine Teilnehmerin sagt: „Besonders hilfreich war für mich, dass ich Bewerbungsgespräche üben konnte.“ „Wir erleben, dass die Teilnehmenden im Laufe des Trainings deutlich mehr Sicherheit im Bewerbungsprozess gewinnen und anschließend besser wissen, welche nächsten Schritte für ihren beruflichen Einstieg notwendig sind“, beschreibt Mitarbeiterin Barbara Gosolits ihre Erfahrungen aus dem Kurs.
Beratung direkt im Sprachkurs
Das Training ist Teil einer Zusammenarbeit, die die Migrationsberatung seit Längerem mit Integrationskursträgern in Stadt und Landkreis Rosenheim betreibt. Neben der VHS Prien gehören dazu die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA) und die Beruflichen Fortbildungszentren (bfz) in Rosenheim. Die Beraterinnen besuchen regelmäßig die Kurse, stellen ihr Angebot vor und bieten teilweise Sprechstunden direkt vor Ort an. Wer Fragen hat, die über das Deutschlernen hinausgehen, findet so ohne Umweg eine Ansprechperson. Das Training soll auch in weiteren Integrationskursen stattfinden.
Text: Susanne Neumann
Bild: Ale Faraj
