Brauchen wir ein Verbot von Sportwettenwerbung? Diese Frage haben Suchtberatungsstellen in ganz Bayern zum Aktionstag Glücksspielsucht am 30. September gestellt. Die Fachstelle Glücksspielsucht der Diakonie Rosenheim hat sich beteiligt und Passantinnen und Passanten an einer Demokratiesäule abstimmen lassen. Das Ergebnis in Rosenheim war eindeutig: Die Teilnehmenden sprachen sich für ein Werbeverbot aus. Madlen Löffler ist bei der Fachambulanz für Suchterkrankungen der Diakonie Rosenheim Ansprechpartnerin für Menschen mit Glücksspielproblemen und ihre Angehörigen. Sie sieht vor allem die alltägliche Präsenz von Sportwettenwerbung kritisch. „Die Darstellung von Sportwetten als etwas, das selbstverständlich zur Unterhaltung dazugehört, verharmlost den Effekt, den Sportwetten vor allem auf junge Menschen haben können“, sagt sie. Werbung könne die Risiken in den Hintergrund rücken und den Einstieg ins Glücksspiel erleichtern.

Warum Fußballwissen nicht vor Verlusten schützt
„Gerade bei Sportwetten entsteht häufig der Trugschluss, dass man sich nur gut genug auskennen muss und dann auf jeden Fall gewinnt“, erklärt Madlen Löffler. Die Forschung zeige jedoch das Gegenteil: Wer sich gut auskennt, verliert häufig sogar mehr, weil er risikoreicher wettet. Entsprechend größer ist die Gefahr, in einen Strudel zu geraten, wenn Betroffene verlorenes Geld mit weiteren Wetten zurückholen wollen.
„Es ist wie im Rausch“
Wie sich dieser Strudel anfühlt, beschreibt Löffler am Beispiel eines Klienten. Er hat massive Geldsorgen und weiß nicht, wie er seine Miete bezahlen soll. Wie seine Sucht funktioniert, versteht er. „Er weiß, dass er nicht gewinnen wird und eingesetztes Geld auch gleich aus dem Fenster werfen könnte“, sagt Löffler. Trotzdem wettet er, sobald er etwas Geld in der Hand hat. „Es ist wie im Rausch. Voller Hoffnung. Jetzt wird er gewinnen. Und dann kann er alles bezahlen. Wenn der Rausch vorbei ist, wird ihm klar, was er getan und was er verloren hat. Dann bricht eine Welt zusammen“, berichtet Löffler. Für die Mitarbeitenden in der Fachambulanz kein Grund aufzugeben. „Jeder Rückfall ist auch eine neue Chance“, sagt Löffler. „Wir bleiben dran.“

Wann Glücksspiel zum Problem wird
Eine Glücksspielabhängigkeit entwickelt sich häufig schleichend. Ein Warnsignal ist es, wenn die Gedanken ständig ums Spielen kreisen und immer mehr Zeit und Geld ins Glücksspiel fließen. Aufmerksam werden sollte auch, wer Verluste unbedingt zurückgewinnen will, heimlich spielt oder Verluste vor anderen verschweigt. Das gilt ebenso, wenn Familie, Beruf oder Freizeit zunehmend unter dem Spiel leiden.
Beratung auch anonym möglich
Die Fachstelle Glücksspielsucht unterstützt seit 2010 Betroffene und ihre Angehörigen. Sie berät bei Glücksspielproblemen und hilft beim Umgang mit Geld. Bei Bedarf vermittelt sie weitere Hilfen, etwa eine Schuldnerberatung. Für Schulen und Betriebe bietet sie Präventionsworkshops an. Die Beratung ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht. Auf Wunsch kann die Beratung auch anonym stattfinden. Zu den Terminen nach Rosenheim können auch Wasserburger Bürgerinnen und Bürger kommen, außerdem steht eine Online-Beratung zur Verfügung.
Text: Susanne Neumann
Bilder: Lejla Asenov