Triage in Kinder- und Jugendpsychiatrien

Die Pandemie und ihre sozialen Konsequenzen zeigen bittere Folgen bei Kindern und Jugendlichen – psychiatrische Erkrankungen bei jungen Menschen steigen bedenklich an. Wie die Süddeutsche Zeitung vor kurzem berichtete, fordern die langanhaltende gesellschaftliche Distanz zu Freunden, zu Familienmitgliedern, die Schließung von Spielplätzen, Kindertagesstätten und Schulen ihren Tribut bei den Kindern und Jugendlichen. Psychische und auch psychiatrische Probleme treten vermehrt auf und eine zeitnahe und adäquate Hilfe, gegebenenfalls auch in einer Psychiatrie für junge Menschen, ist notwendig. Doch die Lage in den Kliniken hat sich zugespitzt, und wer einen stationären Platz und intensive Betreuung benötigt, erhält oft eine Absage.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sieht die Vollbelegungen von Kinder- und Jugendpsychiatrien mit Sorge, wer keine Selbstmordgefährdung aufweist, sondern ‚nur‘ eine Depression habe, werde gar nicht mehr stationär aufgenommen. Triagen sind die Folge.

Die Diakonie Rosenheim kann in solchen Notlagen ambulant auf den Psychologischen Fachdienst zurückgreifen, der in den stationären Einrichtungen bei seelischen Notfällen Hilfe leistet. Sebastian Hofer, Bereichsleitung der Schutzstelle am Westpark, kennt sich mit akuten Ernstfällen aus. Die Schutzstelle nimmt männliche und intergeschlechtliche Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren in akuten Not- und Krisensituationen auf, die vom Jugendamt nach § 42 SGB VIII in Obhut genommen wurden. Diese jungen Menschen bringen oftmals schwerwiegende psychische Probleme mit sich und benötigen im Einzelfall auch psychiatrische Hilfe.

„Schon vor Corona waren die Plätze in den Kliniken knapp. Etliche Jugendliche, die sich in einer Phase der akuten Selbst- oder Fremdgefährdung befanden, wurden aufgrund von Platzmangel nicht stationär aufgenommen. Es sind einfach zu wenig stationäre Plätze, die schon vor Jahren hätten aufgestockt werden sollen. Die Pandemie ist nicht der Auslöser dieser Situation, sie bringt die misslichen Platzkapazitäten nur auf den Punkt“, so Sebastian Hofer. „Wir kennen diese Problematik also gut und haben seit Jahren feste Termine bei einem kooperierenden Kinder- und Jugendpsychiater, der in Notfällen auch außerplanmäßig ambulante Termine anbietet.“

 

 

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