Miete als Armutsrisiko

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland bleibt, nachdem sie ihre Miete bezahlt haben, weniger als das Existenzminimum zum Leben. Das ergeben u. a. die Studienergebnisse der Hans-Böckler-Stiftung, die 2021 zum „Tag der Wohnungslosen“ am 11. September veröffentlicht wurden.
Angesichts dieser Ergebnisse fordert die Diakonie Bayern von der Politik ein engagierteres Handeln in der Wohnungspolitik. Neben der Hilfe für akut von Wohnungslosigkeit Bedrohte oder Betroffene müsse die Politik stärker als bislang die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum forcieren.

Dieser Forderung kann sich die Diakonie Rosenheim, deren „Soziale Dienste Oberbayern“ sich mit Einrichtungen und Angeboten stark im Bereich wohnungsloser oder von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen engagieren, nur anschließen!
Denn besonders in Großstädten und Ballungsräumen wie in und um München, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Würzburg und Augsburg müssen inzwischen bis zu 20 Prozent der Mieter/-innen mehr als die Hälfte ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufwenden. Unerwartete Mehrausgaben wie eine Mieterhöhung können da schnell zu Mietschulden oder im schlimmsten Fall zum Wohnungsverlust führen – und stellen so ein enormes Armutsrisiko dar. Gesellschaftlich besonders brisant: Laut der Studie müssen gerade 90 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze mehr als ein Drittel ihres Einkommens für die Miete aufwenden. Mit anderen Worten: Wer unterhalb der Armutsgrenze lebt oder ohnehin ein geringes Einkommen hat, trägt zusätzlich auch das größte Risiko, in einen Mietzahlungsverzug zu geraten und seine Wohnung zu verlieren!

Die Fachstellen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit der Diakonie könnten in vielen Fällen zwar helfen, den ‚worst case‘ Wohnungsverlust zu vermeiden, so Sandra Schuhmann, zuständige Vorständin der Diakonie Bayern. Allerdings hätten zahlreiche dieser Fachstellen nach wie vor eine staatliche Anschubfinanzierung und müssten dringend in eine Regelfinanzierung der Kommune bzw. des Landkreises überführt werden.
Auch die „Aufsuchende Sozialarbeit zum Erhalt von Mietverhältnissen“ der „Sozialen Dienste Oberbayern“ konnte im Jahr 2020 in knapp 200 Fällen den ‚worst case‘ – nämlich den Wohnungsverlust –  abwenden und so das Schlimmste verhindern.

Sandra Schuhmann: „Wir wissen von unseren Diensten und Einrichtungen, dass die Zahl der wohnungslosen Menschen stetig ansteigt, Menschen in Notunterkünften dauerhaft untergebracht werden und sich die Bedarfslagen kontinuierlich verschärfen. Die Politik muss hier dringend gegensteuern, denn Wohnungslosigkeit ist die sichtbarste Form von Armut und sozialer Ausgrenzung.“
Eine Zuspitzung im Bereich bezahlbaren Wohnraums kann auch Susanne Podchul, Geschäftsbereichsleiterin bei den „Sozialen Diensten Oberbayern„, bestätigen. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen die von der Diakonie Rosenheim betriebenen Herbergen in Rosenheim und Ebersberg, die auch während der Corona-Pandemie unter schwierigsten Bedingungen im Jahr 2020 an allen 365 Tagen geöffnet hatten und in diesem Zeitraum über 3.350 Übernachtungen registrierten! Über die Hälfte der wohnungslosen Menschen, die in den Herbergen übernachteten, nutzten zudem auch das für sie wichtige Angebot, als Postanschrift die Postadresse der Herberge in Rosenheim anzugeben, um beispielsweise für Behörden trotz Wohnungslosigkeit postalisch erreichbar zu sein.
Die „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ geht in ihrer letzten Schätzung für das Jahr 2018 von mehr als einer halben Million obdachloser Menschen aus. Eine genaue Statistik zu den Obdachlosenzahlen in Deutschland gibt es nicht.

Mit Sheltersuits gegen Nässe und Kälte

Allerdings finden, gerade in der bevorstehenden kalten Jahreszeit, längst nicht alle Obdachlosen eine Übernachtungsmöglichkeit in einer Notunterkunft. Diese Menschen sind dann nachts Regen, Wind und Kälte schutzlos ausgesetzt. Hiergegen sollen die in den Niederlanden erfundenen wind- und wasserdichten Sheltersuits, die aus Textilresten hergestellt werden, helfen.  15 Exemplare davon hat die Diakonie Rosenheim im Frühjahr 2021 gekauft – gesponsert von der „Sparkassenstiftung Zukunft„. Der schlafsackähnliche Kälteschutz mit Kapuze, der auch nur als Jacke getragen werden kann, soll in diesem Winter an obdachlose Menschen in der Region verteilt werden. Als Ganzkörperanzug verwendet und richtig eingeschnürt, liegen nur noch Stirn, Augen und Nase frei. „Dennoch ist der Sheltersuit nur eine Notlösung und lediglich ein Zusatz zu stationären Angeboten“, betont Klaus Voss, Geschäftsleitungsmitglied der Diakonie Rosenheim, dem die Gesamtleitung der „Sozialen Dienste Oberbayern“ obliegt. Ziel bleibe es schlussendlich immer, die Menschen wieder in eine Wohnung zu bringen. „Denn ein Dach über dem Kopf ersetzt natürlich auch der Sheltersuit nicht.“ Trotzdem sei er stolz auf das Angebot, das es in Deutschland sonst nur noch in Berlin und Köln gäbe.

Schon seit Jahren in der Wohnungslosen- und Wohnungsnotfallhilfe tätig

Nachdem die Diakonie Rosenheim schon seit vielen Jahren im Bereich der Wohnungslosen- und Wohnungsnotfallhilfe tätig ist und hier bereits Einrichtungen in der Stadt München, der Stadt Rosenheim sowie den Landkreisen Ebersberg und Rosenheim unterhält, ist Anfang Oktober 2021 auch erstmals im Landkreis Miesbach ein Modellprojekt gestartet, das sich an Bürger/-innen des Landkreises richtet, denen der Verlust ihrer Wohnung droht. Die „Wohnungsnotfallhilfe im Landkreis Miesbach“ wird – vorerst für ein Jahr – sowohl vom „Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales“ als auch aus Eigenmitteln der Diakonie Rosenheim finanziert. „Die seit Jahren in unserer Region steigenden Mieten und die Verteuerung des Wohnraums machen sich unter anderem in unseren Fachstellen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit durch einen steigenden Zulauf bedürftiger Menschen bemerkbar“, bestätigt Klaus Voss die bundesweite Problematik. „Daher bin ich froh, dass wir nun durch das Modellprojekt erstmals auch im Landkreis Miesbach existenzielle menschliche Notlagen zu verhindern oder abzumildern helfen können.“

Wohnungsgemeinnützigkeit stärken

Einen Baustein zur Verbesserung bzw. Entschärfung der Situation auf dem Wohnungsmarkt sieht Sandra Schuhmann in der Wiedereinführung der Wohnungsgemeinnützigkeit. Durch die partielle Steuerfreiheit wohngemeinnütziger Unternehmen und durch den Umstand, dass ein Gewinn nicht oder nur in geringem Umfang ausgeschüttet und stattdessen in den Bestand bzw. Neubau von sozialem Wohnraum reinvestiert werden müsse, ergäbe sich eine mietpreisdämpfende und baukostenreduzierende Wirkung. So kämen öffentliche Fördergelder und Steuererleichterungen für den sozialen und ökologischen Wohnungsbau den Mieterinnen und Mietern zugute.

Wohnen, so die Diakonie Bayern, sei eine zentrale soziale Frage, ein Grundbedürfnis und ein Menschenrecht für alle – das sieht die Diakonie Rosenheim ebenso!

KomMa
Autor: KomMa

Kommunikation und Marketing der Diakonie Rosenheim

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